Marionettentheater      
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Das Marionettentheater ist in Europa seit Anfang des 17. Jahrhunderts bekannt. Seine eigentliche Blütezeit erlebte es im 18. und 19. Jahrhundert. Das Marionettentheater imitierte das "große Theater" und spielte auch teilweise dessen Repertoire. Opern, Singspiele, Varieteprogramme gehörten ebenfalls zum Marionettenrepertoire. Häufig waren es die Marionettenspieler, die als einzige Kulturbringer in die entlegensten Dörfer fuhren. Im 18. Jahrhundert hatte das Marionettenspiel in den Palästen venezianischer Patrizier und an den Höfen als musischer Zeitvertreib Eingang gefunden. Die Bühne im Schloss des Fürsten Esterhazy im österreichischen Burgenland, für die sein Kapellmeister Haydn einige Opern komponierte, stand in so hohem Ansehen, daß sie sogar von Kaiserin Maria Theresia zu einem Gastspiel nach Schönbrunn gebeten wurde.
Handpuppentheater  
Der früheste Beleg und Nachweis von Handpuppentheater in Europa stammt aus dem Jahre 1211, vermutlich war es jedoch schon vorher bekannt. Als Ursprungsland ist Persien anzusehen. Handpuppenspieler spielten früher auf Straßen, Plätzen und Jahrmärkten. Nicht selten prangerten sie aus ihren Guckkästen die Mißstände auf dem Land an und verspotteten die Herrschenden. Die Zentralfigur war stets die komische Figur, ob sie Meister Hämmerlein, Putschenelle, Hanswurst oder Kasper hieß. Ihre Funktion war es, zu erheitern, aber auch die Dinge beim Namen zu nennen. Sie sprach aus, was das Volk bewegte. Für so manche Spieler waren Kerker oder Spielverbot die Folge. Zeitweise wurde in Wien dem Kasper von höchster Stelle der Mund verboten. So wurden Meinungen zwar stumm, aber nicht weniger turbulent mit der Bratpfanne und dem Nudelholz vertreten.
Der Kasper im Puppentheater ist noch relativ jung. Ursprünglich war er eine Figur des österreichischen Volkstheaters (Menschentheater). Der Schauspieler Johann Joseph Laroche (1745 - 1806) verkörperte die Figur des Kaspers in der Rolle eines Dieners so hinreißend komisch, daß der Kasper sehr bald die humoristische Hauptfigur des österreichischen Volkstheaters wurde. Der Übergang vom Schauspieler- zum Puppentheater erfolgte Anfang des 19. Jahrhunderts zunächst mit Marionettenfiguren. Durch Zeitgeschmack und Bedürfnisse der Menschen geprägt, war der Kasper stets im Wandel.